Rüflensmühle

Rüflensmühle

Freitag, 28. Dezember 2012

Erstes Hochwasser in Oppenweiler nach Verlegung der Murr überstanden

In Oppenweiler hat die Verwaltung unter der Führung von Bürgermeister Steffen Jäger bewiesen, dass sie mit der neuen Hochwassersituation bedingt durch die neue Murr, die nun seit einigen Monaten mitten durch Oppenweiler fließt bestens klar kommt. Durch Einsatz und Planung konnte Schlimmeres vermieden werden. 

Zitat Mitteilungsblatt "Die Brücke" vom 19.12.2012: "Als Fazit des Wochenendes kann man festhalten, dass das befürchtete 10-jährige Hochwasser glücklicherweise nicht eingetreten ist. Trotzdem hat sich die im Nachgang zum Hochwasserereignis entwickelte Frühwarn- und Alarmierungsordnung gut bewährt."

Was stimmt an der Überschrift nicht? Dass die Verwaltung sich in zig Zeitungsbeiträgen über den tollen Hochwassereinsatz am letzten Wochenende in den höchsten Tönen hat loben lassen und sich auch selbst massiv auf die Schulter klopft, stimmt!

BKZ: Die Hochwassergefahr ist (vorerst) gebannt


Umfangreiche Schutzmaßnahmen entlang der Murr – Zahlreiche Rat suchende Bürger bei Informationsstellen – Mancherorts lagen die Nerven blank

http://www.bkz-online.de/node/481394

BKZ: Hochwasserschutz besteht Bewährungsprobe


Erster Einsatz der neuen Sandsackfüllmaschine – Landrat Fuchs: Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen hat sich erneut gezeigt

 http://www.bkz-online.de/node/481616


Genau, die Murr fließt ja seit Zehntausenden von Jahren in diesem Bereich duch das Tal und damit durch Oppenweiler, es gibt keine neue Murr und kein neues Hochwasserproblem, das ist es, was an der Überschrift nicht stimmt; das Hochwasserproblem ist seit Jahrtausenden bekannt. Warum wohl war bis in die 1930er Jahre direkt an der Murr in Oppenweiler nichts bebaut? Richtig, weil bekannt war, dass Oppenweiler in seiner Talaue ein großes Hochwasserproblem hat. Das historisch einzige Gebäude an der Murr war die Rüflensmühle, und das aus gutem Grund, weil die Wasserkraft nämlich für den Betrieb der Mühle notwendig war.

Pegeldaten Hochwasser gemäß gewässerkundlichem Jahrbuch 2007, Seite 119, Pegel Oppenweiler


Datum
Wasserstand Pegel [cm]
Wassermenge [m³/s]
13.01.2011
368 (eigene Aufzeichnung)
149 (Planfeststellungsverfahren)
20.02.1999
352
138
15.02.1990
340
125
21.03.2002
339
124
21.12.1993
335
120
22.11.1993 Stellungnahme Wasserwirtschaftsamt an Familie Küenzlen, Hochwasserschutz neues Baugebiet Seelenwinkel III
31.08.1993 Gemeinderat beschließt Aufstellung Bebauungsplan Seelenwinkel III
Anmerkung: nach Heimatbuch Oppenweiler Seite 159 wurde die Murrbegradigung 1893 bereits auf eine Wassermenge von 120 cbm/sec berechnet
13.04.1994
329
113
19.01.1986
328
112
11.11.2002
325
108
25.02.2002
311
91



















Unter Herrn Bürgermeister Brischke ist es der Gemeinde Oppenweiler einfach mal Jahrzehnte lang entfallen, dass es ein Hochwasserproblem gibt. 1993 hat man noch den letzten Bebauungsplan verabschiedet - mit einigen Gemeinderatsmitgliedern, die sich heute für den Hochwasserschutz stark machen (!), genau zu dem Zeitpunkt, als eines der höchsten Hochwasserereignisse der letzten Jahrzehnte am 21.12.1993 eingetreten ist und nur drei Jahre nach dem dritthöchsten Hochwasser 1990. Gemäß der Karte in der "Brücke" vom 19.12.2012 ist das gesamte Gebiet dieses Bebauungsplanes bei einem HQ 10, also alle 10 Jahre, überflutet. Für so ein Gebiet hat man also noch 1993 einen Bebauungsplan verabschiedet und will alles HEUTE noch bebauen....


Wie meinte Herr Bürgermeister Bernd Brischke damals (zum Hochwasser 1993)  in der Backnanger Zeitung: "erst bei 3,30 Metern fangen wir an zu schwitzen". Und heute klopft sich Bürgermeister Steffen Jäger bei der theoretischen Gefahr eines 10-jährigen Ereignisses mit Pegelstand 325 cm für die tollen Vorbereitungen bei Hochwasser auf die Schulter??? Da fällt einem doch wirklich nichts mehr ein....

War ja auch so praktisch. Man betoniert alle Murrwiesen zu, wartet auf ein großes Hochwasser mit Millionenschäden und baut danach auf Kosten Einzelner und mit dem Geld der Allgemeinheit teuren Hochwasserschutz. Oppenweiler behält die hohen Steuereinnahmen aus dem Gewerbe, weil die anderen für den Hochwasserschutz - teilweise mit ihrem Privatvermögen - zahlen.

Eine geniale Strategie, das muss man der Verwaltung lassen - und alle machen mit. Anstatt, dass man dieses Dorf - das ja so gerne damit angibt, wie reich es ist - aus seinen Steuermillionen den Hochwasserschutz selber zahlen lässt und die Unternehmer zur Kasse bittet, die vom Hochwasserschutz profitieren, unterstützt man politisch diese Art der Verwaltungsarbeit noch mit Millionen von Euro.

Lustig finde ich aber auch, dass sich eine Gemeinde, die keine Gelegenheit auslässt, damit anzugeben, wie reich sie ist, sich sowohl eine Sandsackfüllmaschine leihen und erst noch in Korb abholen sowie ebenfalls einen mobilen Damm ausleihen muss. Beides Dinge, die ja nun wirklich kleines Geld für eine reiche Gemeinde kosten und in einer so reichen Gemeinde mit so großen, selbst verschuldeten Hochwasserproblemen ohne weiteres vorhanden sein müssten.

Naja, so toll war es dann also doch nicht, was geleistet wurde, aber es klingt in der Presse ja wie immer alles ganz toll, wenn man alle Hintergründe wie üblich verschweigt, weil man jahrzehntelang alles ignoriert hat, bis es 2011 dann teuer wurde, weil ein ganz normales Hochwasser kam, wie es statistisch sowieso alle 50 Jahre kommt.

Bilder "Oppenweiler entdeckt nach Jahrtausenden das Hochwasserproblem"










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